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DIE GELUG-TRADITION
Die Gelug-Tradition kam aus der Kadampa-Tradition hervor, und wurde von Je Tsongkhapa (1357-1419)
gegründet. Diese Linie ist eine Fortsetzung des Kadampa Systems, baut jedoch sehr stark auf
Tsongkhapas neuen Formulierungen des tibetischen Buddhismus auf. Die Anhänger dieser Linie nennen
sich selber die Tugendhaften (Ge-lug).
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Der Patriarch der Kadampa Schule war Atischa (982-1054), dessen Lehren
die Notwendigkeit einerstrengen und asketischen klösterlichen Disziplin
sowie die Hingabe an einen Lehrer vor der Aufnahme einer tantrischen
Praxis betonen. Den Mahayana-Sutras wurde eine wichtigere Rolle zuteil
und den Tantras wurde eine sekundäre Position zugewiesen. Drom Tönpa
war Atischas Hauptschüler, und er legte das Kadampa (durch Gelübde ge-
bunden)-System fest. Andere berühmte Meister waren Scharawa,
Tschekawa, Potowa, Putschungwa. Anhänger dieser Meister hielten sich an
folgende vier Hauptregeln: |
Zölibat, Abstinenz von berauschenden Substanzen, Verbot des Reisens und kein Umgang mit Geld.
Die zentrale Praxis war Reinigung des Geistes, das Läutern und Entfernen von allen geistigen und
moralischen Unzulänglichkeiten, ein Prozess der zur klaren Wahrnehmung der Leerheit führt.
Im 15.Jh. absorbierten Je Tsongkhapa und die aufkommende Gelug-Tradition die Kadampa-Tradition.
Je Tsonkhapa wurde 1357 im Nordosten Tibets, in Amdo, geboren. Das grosse Kloster von Kumbum
steht nun am Ort seiner Geburt. Tsongkhapa zeigte von frühester Kindheit an eine starke spirituelle
Neigung, legte die Gelübde eines Mönchsnovizen ab als er erst sieben Jahre alt war und erhielt den
Namen Lobsang Drakpa. In diesem jungen Alter hatte er bereits viele Unterweisungen erhalten,
und er konnte Texte wie Lobpreisungen der Namen von Manjushri auswendig rezitieren.
Auf der Suche nach Erkenntnis reiste Tsongkhapa weit herum und studierte mit Meistern aller damals
bestehenden Traditionen. Er erhielt Unterweisungen über Dzogtschen und Mahamudra, lernte die
medizinischen Abhandlungen in Drikung, studierte das Ornament der Klaren Realisierung und die
Sutras der Vollendung der Weisheit und wurde berühmt wegen seiner Gelehrsamkeit und Fähigkeiten
in der Debatierkunst. Er reiste auch nach Sakya, wo er die klösterliche Disziplin, Pram_na, M_dhyamika,
und das Guhyasamaja Tantra mit Lamas wie Rendawa studierte. Auch erhielt er die Übermittlungen
der Sechs Yogas von Naropa, des Kalachakra-Tantra, LamDre, Chakrasamvara sowie unzählige andere,
und gab diese weiter an seine zahlreichen Schüler. Zusätzlich zu seinen Studien verweilte er lange Zeit
in Klausuren. Angeblich hat er Millionen von Niederwerfungen, Mandalaopfergaben und andere
Reinigungspraktiken durchgeführt bzw. gemacht. Tsongkhapa hatte oft Visionen von
Meditationsgottheiten, insbesondere von Manjushri mit dem er, um die schwierigen Punkte der Schriften
zu klären, direkt kommunizieren konnte.
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Tsongkhapa schrieb enorm viel. Seine gesammelten Werke umfassen achtzehn
Bände und bilden für
die Gelugpas das Hauptmaterial ihrer Studien. Diese Schriften beziehen
sich auf alle Aspekte des
buddhistischen Weges und klären einige der schwierigsten Punkte
der Lehren. Die wichtigsten Texte
darunter sind: die Grosse Darstellung/Erläuterung des Stufenweisen
Weges (Lamrim Chenmo), ein Text,
der von Atishas Laterne des Weges der Erleuchtung inspiriert ist,
die Grossen Stufen des Tantra
(Ngagrim Chenmo), die Goldene Girlande (Ser-Treng), Lobpreisungen
des gegenseitig abhängigen
Entstehens (Tendrel Töpa) und viele mehr.
Im Jahre 1409 gründete Tsongkhapa das Kloster Ganden in der Nähe
von Lhasa und dieses wurde zu
seinem Hauptsitz. Er hatte viele Schüler, doch die herausragendsten
unter ihnen waren Gyaltsab Dharma
Rintschen (1364-1431), Khedrub Geleg Pälsang (1385-1438) und
Gyalwa Gendün Drup (1391-1474).
Nach Tsonkhapas Tod wurde sein Thron in Ganden Gyaltsab anvertraut;
damit begann die bis heute
anhaltende Tradition des Ganden Thronhalters (Ganden Tripa). Ursprünglich
wurden die Anhänger von
Tsongkhapas Tradition als Gandenpas bezeichnet (nach dem von ihm gegründeten
Kloster),
doch wurden sie später in Gelugpa (die Tugendhaften) umbenannt.
Tsongkhapas neue Doktrin war zum Teil eine Reaktion auf die laxe Moral
und die religiösen Ab-
weichungen der Ära. Tsongkhapa verlangte rigorose Hingabe an
die traditionelle klösterliche Regelung
des Verhaltens (Vinaya) und die Schüler mussten auf diesem Weg
zum Erlangen der Buddhaschaft die
Schriften sowie Logik beherrschen. Es wurde grosses Gewicht auf das
Mönchstum gelegt und das intensive
Studium der Texte und der methodologischen Praxis nach dem Lamrim
Chenmo war obligatorisch.
In den Jahren nach der Gründung des Klosters Ganden wurden viele
andere wichtige Klöster durch
Tsongkhapas engste Schüler gegründet: in der Nähe von
Lhasa waren dies das Kloster von Drepung
(1416), das Kloster von Sera (1419), das untere tantrische Kollegium
(Gyume) in 1440, das obere
tantrische Kollegium (Gyutö) in 1474 und in Schigatse das Kloster
von Taschi Lhünpo (1447),
dem zukünftigen Sitz der Pantschen Lamas. Zu gewissen Zeiten
lebten in diesen Klöstern mehrere
tausend Mönche. Die Klöster wurden zu den hauptsächlichsten
Quellen für Schulung und Mönche aus
allen Regionen Tibets wurden von angegliederten Klöstern gesandt,
um in diesen grossen Institutionen
den traditionellen Lehrplan zu studieren.
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In den Jahrhunderten seit der Gründung
von Ganden entwickelte sich die Gelug zur grössten tibetisch-
buddhistischen Tradition. Dies ist zu einem grossen Teil dem Schulungs-system
zuzuschreiben, aber auch
dem politischen Einfluss, den sie auszuüben begann. Im 16.Jh.
brachte der grosse Meister Sonam
Gyatso (1543-1588) - die zweite Inkarnation des Gründers vom
Taschi Lhünpo Klosters, Gyalwa Gendün
Drup, der Schüler von Tsongkhapa war - die Mongolen wieder zum
Buddhismus zurück. Er erhielt den
Titel eines 'Dalai Lama' und in der Folge etablierte sich eine Linie
von Inkarnationen. Im siebzehnten
Jahrhundert wurde der Grosse Fünfte Dalai Lama Ngawang Lobsang
Gyatso (1617-1682) Herrscher über
Tibet. Er institutionalisierte die Ganden Phodrang Regierung und begann
mit dem Bau des Potala,
der Winterresidenz der Dalai Lamas. Seit jener Zeit hielten die nachfolgenden
Dalai Lamas das
kombinierte Amt der spirituellen und weltlichen Führung von Tibet
inne.
Für die noch minderjährigen Dalai Lamas wurde jeewils ein
Regent ernannt, der die unterschiedlichen
Aufgaben der politischen und religiösen Aktivitäten beaufsichtigte,
während die Gelug Linie durch den
Ganden Tripa angeführt und verwaltet wurde. Traditionell ist
der Ganden Tripa das Oberhaupt der Gelug-
Schule. Er ist immer ein hochgebildeter Gesche (Lharampa), der die
verschiedensten Aufgaben eines
Lehrers, eines Abtes an einem der drei grossen Klöster sowie
an einem der beiden tantrischen Kollegien
erfüllt hat. Als pensionierter Abt des Gyume erhält er den
Titel des Dschangtse Tschödsche,
und als pensionierter Abt des Gyutö erhält er den entsprechenden
Titel des Schartse Tschödsche.
Abwechselnd hält jeweils einer der beiden das Amt des Ganden
Tripa, dem Oberhaupt der Gelug-Tradition
inne, eine Position und Funktion die normalerweise sieben Jahren lang
ausgeübt wird.
Ein anderer wichtiger Gelug Lama ist die Inkarnationslinie des Pantschen
Lama. Diese Linie beruht auf
der aufeinanderfolgenden Lehrer-Schüler Beziehung mit dem Dalai
Lama. Im 17.Jh. wählte der fünfte
Dalai Lama Lobsang Tschökyi Gyaltsen (1570-1662), zu seiner Zeit
Abt des Taschi Lhünpo Klosters,
als seinen spirituellen Meister und legte dabei fest, dass die aufeinanderfolgenden
Äbte sowohl
Taschi Lhünpo als Besitz erhalten und auch den Titel eines Pantschen
Lama führen.
Die Klöster dienten nicht nur als Institutionen des Lehrens sondern
sie trugen auch die Verantwortung
für die Rituale der tantrischen Gottheiten. Jedes Kloster hat
eine gewisse Anzahl von tantrischen Ritualen,
die in einem spezifischen Monat des Jahres durchgeführt werden.
Alle drei grossen Klöster befolgen die
Tradition der frühen Sommerklausur (Mitte des sechsten Monats
bis zum Ende des siebten Monats im
tibetischen Mondkalender), während die tantrischen Kollegien
die späte Sommerklausur befolgen
(Mitte des siebten Monats bis zum Ende des achten tibetischen Mondmonats).
Im Exil wurden die bedeutendsten Gelug-Klöster (Drepung, Sera,
Ganden, Tashi Lhünpo und die beiden
tantrischen Kollegien) in Südindien wieder aufgebaut, und dank
ihnen ist die gesamte Tradition
lebendig geblieben. In Tibet hatten die grossen Klöster wie Drepung,
Sera und Ganden verschiedene
Unteruniversitäten, doch im Exil haben sie nur noch zwei.
Das Namgyal Kloster, dessen Mönche Seiner Heiligkeit dem Dalai
Lama vor und während der Kalachakra-
Einweihung beistehen, ist das persönliche Kloster des Dalai Lama
und verantwortlich für die Rituale,
die in Beziehung mit ihm stehen. Grundsätzlich ist es ein Gelug
Kloster, doch führt es auch viele Rituale
durch, deren Ursprung nicht-Gelug ist.
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